Liebe Einwohnerinnen und Einwohner
Lange, kalte, garstige Nächte, eher trübe und nasse Tage: Der Dezember würde uns gnadenlos umgarnen, hätten wir nicht warme Stuben und Menschen und pflegten nicht gemütliche Bräuche mit Kerzen, Lämpchen, Mandarinen, Nüssli und Tee.
Ich möchte Sie auf ein Weihnachtsfenster besonders aufmerksam machen: Am 16. Dezember öffnet es in unserem sanierten Werkbetrieb, quasi zu dessen Einweihung nach der Renovation. Kommen Sie vorbei und begutachten Sie das Werk.
Vier Tage zuvor, am 11. Dezember, treffen wir uns an der Gemeindeversammlung zur Vorberatung einer Urnenabstimmung. Der Gemeinderat beantragt Ihnen einen Kredit von 1.3 Millionen Franken für den Bau einer Unterkunft für Asylsuchende.
Die Gemeinden im Kanton Zürich müssen 1.6 Promille der Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner an Asylsuchenden unterbringen. Das sind in Hüntwangen 18 Menschen. Seit Jahren erfüllen wir diese Aufgabe mit Notlösungen, früher in der alten Hutfabrik, heute mieten wir ein Einfamilienhaus am Hinterdorfplatz. Der Platz reicht kaum: Bei Vollbelegung rüsten wir das Wohnzimmer zu einem Mehrbett-Schlafzimmer um, Badezimmer, Küche und Haustechnik (z.B. Warmwasser) sind nicht für diese Anzahl Menschen ausgelegt. Familien oder Paare haben kein eigenes Zimmer, Kinder- und Jugendliche keinen Platz für Hausaufgaben oder zum Spielen. Und der Mietvertrag ist kündbar: Wir sind nie ganz sicher, wie es weiter geht.
Es ist völlig klar, dass wir eine Lösung benötigen. Diese liegt auf Gemeindeeben nicht in der «grossen Asylpolitik». Ob die Menschen hier sein sollen, ob ihre Schicksale asylwürdig sind, ob ein junger Mann lieber in einem Schützengraben sterben soll, statt bei uns in einem Zimmer zu hocken: Für diese Fragen sind Bund und Kanton verantwortlich. Für uns als Gemeinde sind es einfach Menschen, die uns zur Unterbringung zugewiesen wurden. Mit dieser Situation wollen wir menschenwürdig umgehen.
An der Gemeindeversammlung wird voraussichtlich eine Debatte darüber geführt, zu welchem Preis diese Unterbringung geschehen soll. Der Gemeinderat beantragt den Kredit basierend auf zwei Studien für günstige Bauweisen (Holz- und Stahlmodulbau), jedoch in einer Höhe, mit der eine gewisse Wertigkeit und eine ansprechende, an den ortüblichen Bauvorschriften orientierte Gestaltung erreicht werden kann. Natürlich könnte man versuchen, noch ein- bis zweihundertausend Franken günstiger zu bauen, laut Studien geht das nur mit deutlichen Abstrichen: Container ohne Holz-Aussenverkleidung und Giebeldach, günstigere Einbauküchen etc. Ich sehe es so: Der Bau ist für Hüntwangen eine bleibende Infrastruktur, die unser Unterbringungsproblem langfristig löst. Wir Einwohnerinnen und Einwohner leben mit der Asylunterkunft länger zusammen als die Menschen, die diese bewohnen. Wenn mir die neue Unterkunft zukünftig ins Blickfeld gerät, will ich mich darüber freuen, dass wir unsere Aufgabe anständig lösen. Und mich nicht über Container ärgern, die auf der Wiese stehen.

Am 8. März sind die Erneuerungswahlen für Gemeinderat und Rechnungsprüfungskommission. Welches Amt Sie auch immer interessiert: Es sind spannende und sinnstiftende Aufgaben mit vielen schönen Momenten. Nach drei Wechseln innerhalb der Amtsperiode bin ich froh, dass sich der aktuelle Gemeinderat geschlossen zur Wiederwahl stellt. Konstanz in einem tollen Team erleichtert die Arbeit, aber natürlich ist aus demokratischer Sicht eine breitere Auswahl an Kandidaturen wünschenswert. In der RPK werde zwei Plätze frei. Aktuell läuft das Vorwahlverfahren, um auf dem Beiblatt in den offiziellen Wahlunterlagen erwähnt zu werden (gemäss Publikation Homepage). Zur Wahl stellen können sich alle Wahlberechtigten aber auch ohne auf dem Beiblatt aufgeführt zu sein – es braucht nur genügend Menschen, die den Namen auf den Wahlzettel schreiben.
Seit Anfang November ist unsere neue Gemeindeschreiberin, Frau Michaela Burgener, im Amt. Zum Willkomm von ihr und zur Verabschiedung von Stephanie Keller habe ich bereits im letzten Editorial (August) geschrieben. Ich möchte nun Micaela Gonzalez danken, welche in der drei Monate dauernden Übergangszeit in ihrer Rolle als stellvertretende Gemeindeschreiberin die Verwaltung führte und dem Gemeinderat zur Seite stand. Dieser Zusatzaufwand war nicht selbstverständlich!
Im Werkbetrieb begrüssen wir Julian Eisenegger als neuen, temporären Mitarbeiter: Neben René Fivat, der pensioniert wurde (siehe auch dazu das Editorial der August-Ausgabe) hat uns Jörg Heller verlassen. Aus privaten Gründen zieht er ins Ausland. Wir sind froh, dass wir die Lücke unkompliziert und rasch schliessen konnten. Gegenüber dem Soll sind noch 20 Stellenprozent im Werk nicht besetzt. 50 Prozent fehlen übrigens auf der Gemeindeverwaltung: Für die Führung des Sozialamts werden und werden und werden wir nicht fündig, der Stellenmarkt ist ausgetrocknet. Wir kaufen die Fachkompetenz zur Zeit ein, hohe Qualität, hoher Preis. Falls Sie jemanden kennen mit Verwaltungserfahrung im Sozialbereich würden wir uns sehr freuen, eine Bewerbung prüfen zu dürfen.
Letzthin durfte ich einem Mitbürger zum 100. Geburtstag gratulieren und dabei ein längeres Gespräch führen über alles Mögliche. Solches sind schöne Amtsmomente als Gemeindepräsident. Man müsste dazu allerdings nicht Gemeinderat sein – auch sonst könnte man ab und zu aufeinander zugehen und sich einen Moment Zeit schenken, selbst wenn man sich nicht so gut kennt. Gerade an trüben, kurzen Wintertagen. Geniessen wir die Advents- und Weihnachtszeit!
Matthias Hauser, Gemeindepräsident
matthias.hauser@huentwangen.ch

