Konzernverunglimpfung: Volksinitiative verkennt Zusammenhänge. Die einzige Wirkung ist Schaden für den Arbeitsstandort Schweiz.

Dort, wo Menschen um ihr tägliches Brot kämpfen und es Bodenschätze gibt, werden diese abgebaut. Und wenn Kakao wächst, wird er geerntet. Wenn kein internationaler Grosskonzern vor Ort die Mine oder Plantage betreibt, dann bauen sich die Einwohner ihre kleinen Bergwerke selbst, graben von Hand Löcher und stützen die Stollen billig und notdürftig ab. Klar helfen die Kinder mit. Klar ist dies auch beim Kleinbauer, wie in der Schweiz vor siebzig Jahren, nur gänzlich ohne Schulbesuch. Und die Produkte dieser Kleinst-Betriebe hungeriger Einheimischer? Ein Netz mafiöser Zwischenhändler zerstreut jede Rückverfolgbarkeit.

Ein internationaler Grosskonzern hingegen, der stattdessen eine Mine oder Plantage betreiben würde, arbeitet zwar nicht nach Schweizer Standards, sondern nach dem lokalen Arbeitsrecht, hat aber geregelte Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten, achtet auf die Arbeitssicherheit, verzichtet auf Kinderarbeit, bietet oft Weiterbildungsprogramme. Bemüht sich um ein Label und die Rückverfolgbarkeit der Komponenten seiner Produkte, um den Erhalt der Plantage, nicht die Zerstörung des Bodens. Daher ist die Kampagne der Konzernverantwortungsinititative völlig daneben – Konzerne nützen oft mehr, als dass sie schaden. 

Überhaupt bewirkt die Initiative nur Eines: Dass ein betroffener Konzern seinen Sitz in eine anderes Land verlegt. Schweizer Rohstoffkonzerne oder Kakaohändler usw. bleiben genau so international und betreiben ihre Minen und Plantagen weiterhin so, wie es lokal Sinn macht.
Daher verändert die Initiative die Welt weder zum Guten noch zum Schlechten, ausser in der Schweiz: Hier vernichtet sie Arbeitsplätze. Stimmen Sie Nein.

Matthias Hauser, Kantonsrat, Hüntwangen

Indische Kinder schürfen Glimmer: Nachdem im indischen Jharkhand Minen wegen Umweltbedenken geschlossen wurden, arbeiten zahllose Familie privat in den Steinbrüchen weiter, um ihr Auskommen zu verdienen. Über ein Netz dubioser Zwischenhändler gelangen die Produkte nach Europa – als Bestandteil von Lippenstift. Wäre da nicht ein Schweizer Konzern der bessere Arbeitgeber?
Quelle: AFP/Dibyangshu Sarkar