Schwänzen an Mittelschulen nicht im Griff

Der Bildungsdirektion fehlt der Überblick komplett, wie oft an Zürcher Mittelschulen geschwänzt wird und wie oft grundlos Absenzen bewilligt werden.

Für meine Kantonsratsanfrage «Kontrolle über Klimaschwänzerinnen und Klimaschwänzer» bestanden drei Monate Zeit zur Beantwortung. Lesen Sie die angefügte Anfrage und Antwort.

Dazu stelle ich Folgendes fest:

  1. Die Anfrage wurde am 27. Mai eingereicht – die Antwort lagen dem Kantonsratsversand vom 5. September bei. Die gesetzliche Frist von drei Monaten wurde voll ausgeschöpft, sogar leicht überzogen.
  2. In dieser Frist lautet die ganze Antwort: «Die Mittelschulen sind für die Absenzen selber zuständig, deshalb kann die Bildungsdirektion keine Antwort geben».
  3. Die kleine Anstrengung, von den Mittelschulen die verlangten Daten abzuholen und für die Antwort auf die Anfrage zusammenzustellen, wurde nicht unternommen.
  4. Folglich hat die Bildungsdirektion keine Ahnung, was in den Schulen „schwänzmässig“ abgeht.

Ein solcher Umgang mit kantonsrätlichen Anfragen ist eine Frechheit. So kann der Kantonsrat seine Oberaufsicht nicht wahrnehmen und wir erhalten keine Grundlagen zur Verbesserung einer Situation oder Öffentlichkeitsmachung eines störenden Umstandes. Gute Nacht Qualitätsentwicklung.

An einer mir bekannten Mitteilschule reichte es, um an einem Klimastreik während der Schulzeit teilnehmen zu dürfen, an einem anderen Tag an einer kurzen Veranstaltung zu erscheinen, wo über Klimaziele informiert wird (das erste Mal im nachhinein), beim zweiten Klimastreik wurden keine verbindlichen Kompensation mehr verlangt. Andere Mittelschulen hielten es mit den Absenzen für die Klimatreiks noch liberaler. Gerüchteweise haben einige Mittelschulen in der Stadt Zürich an den betreffenden Halbtagen die Absenzen gar nicht erfasst.

Gleichzeitig erhalten Schülerinnen und Schüler, junge Erwachsene, die z.B. Kinder in Schneesport oder dem Schwimmen ausbilden wollen – ein moralisch ebenso redliches Ziel wie ein Klimastreik – viele Menschen würden wie ich sogar sagen, «ein viel redlicheres Ziel» – keine Dispensationen. Diese moralische, politische Gewichtung von Absenzgründen ist ungerecht und verstörend.

Wir erinnern uns: Die Mittelschulen wurden im letzten Jahrzehnt um ein halbes Jahr verkürzt. Die Mittelknappheit wird ständig bejammert. Während den Aufnahmeprüfungen haben ältere Schülerinnen und Schüler einfach schulfrei, während Maturitätsprüfungen die Jüngeren. Es gibt für das letzte halbe Jahr kein promotionswirksames Zeugnis mehr und trotzdem behaupten die Schulen, das Niveau sei nicht gesunken?

Es wird leider nicht gezaubert, sondern einfach weggeschaut.